Filmstudio veröffentlicht Film-Rohdaten als Open-Source

Film "Air No. 3" kann für den privaten Gebrauch kopiert, verändert und geteilt werden

Film "Air No. 3" kann für den privaten Gebrauch kopiert, verändert und geteilt werden

Filmstudio veröffentlicht Film-Rohdaten als Open-Source Foto: openpot Media

Das Filmstudio openpot Media veröffentlicht zum 17.4.2015 die Film-Rohdaten zu seinem Film "Air No. 3" als Open-Source. Rohdaten und Open-Source bedeutet hier, dass alle während der Produktion des Films aufgezeichneten und hergestellten Daten frei jedermann zur Verfügung gestellt werden. Die ausgegebene Lizenz ermöglicht es - für den privaten Gebrauch sowie für akademische Trainingszwecke - das Material zu kopieren, zu verändern und zu teilen. Eine kommerzielle Nutzung wird ausgeschlossen.

Zu Beginn ist geplant, die erhebliche Datenmenge per Torrent zum Download anzubieten. Um zunächst eine vernünftige Menge an sog. "Seedern" zu erhalten, bietet das Filmstudio zudem an, jedem Interessierten eine Kopie per Post zu schicken, der einen entsprechenden Datenträger an die Firma sendet. "Wir können die an die 100 GB Material leider nicht einfach zum Download über unseren Server anbieten, da dies zu hohe Kosten verursachen würde. Leider haben wir auch keinen Open-Source Anbieter finden können, der bereit gewesen wäre die Datenmenge anzubieten - die meisten Open-Source Anbieter sind zudem auf Software spezialisiert, und unser Vorhaben scheint dort schwer eingeordnet werden zu können.", so Benjamin Czycholl, Geschäftsführer der openpot Media eK.

Filmschaffende im Bereich Post-Produktion werden hiervon begeistert sein. Es gibt kaum Möglichkeiten an die Rohdaten eines ganzen Films zu gelangen, um seine Fähigkeiten z.B. im Bereich Schnitt oder Color-Grading auszuprobieren. "Wir haben alles nötige in das Archiv gepackt, um den Film in einer eigenen Version komplett herstellen können. Alles von Drehbuch, Film- und Tonaufnahmen, sowie Musik bis Hintergrundgeräusche.", erklärt Benjamin Czycholl.

Einbußen müssen jedoch auch in Kauf genommen werden. So liegt dem Archiv kein Material aus der Vorproduktion des Films bei. Man ist also auf das was abgefilmt wurde beschränkt. Außerdem wurde das Bildmaterial verlustbehaftet komprimiert. "Da es uns unmöglich erschien 1,6 TB unkomprimiertes Bildmaterial zu verteilen, haben wir die ca. 280.000 Einzelbilder auf etwa 52 GB komprimiert. Dadurch sind natürlich Verluste in der Qualität hinzunehmen, diese sollten sich aber weitgehend unter der Wahrnehmungsschwelle befinden.", sagt Czycholl dazu. Konkret heißt dies: Auf 36 MB/s JPEG-2000 komprimiert in 2k-Kinoauflösung und 12-Bit-Dynamikumfang pro RGB-Kanal. Ein immer noch sehr professionelles Niveau.

Neben der Möglichkeit eine eigene Version aus dem Material herzustellen, befindet sich in dem Archiv auch ein Programm, welches aus dem Rohmaterial eine fertige Version herstellt. Dabei wird weitgehend der Look und der Schnitt aus dem Originalfilm erreicht. Wer also etwas Know-How und jede Menge Zeit hat, kann sich so für den privaten Gebrauche eine eigene Kopie ganz kostenlos zusammenstellen. "Wir erwarten dadurch keine Umsatzeinbußen. Ganz im Gegenteil gehen wir davon aus, dass in irgendeiner Weise partizipierende Menschen eher die Aufmerksamkeit und damit den Umsatz für den Film steigern, als mindern.", schätzt Benjamin Czycholl die Lage ein.

Der Independent-Film "Air No. 3" hat sich vorab und bisher etwa 1.800 mal verkauft. Den Trailer kann man sich Öffnet externen Link in neuem Fensterhier anschauen. Es ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches Projekt, nicht nur auf Grund der anstehenden Open-Source Veröffentlichung. Dazu Benjamin Czycholl, Regisseur und Autor des Films: "Ich sehe mich schon als eine neue Generation von Filmemachern, die es sich erlauben kann mit Technologie, Medien und Marketing ganz anders umzugehen, als die Generationen in der Filmbranche zuvor. Im Moment ist es jedoch auch einfach viel Freude am Experiment."