30. Kasseler Dokumentarfilm und Video-Fest startet am Dienstag

Am kommenden Dienstag, 12. November 2013, startet das 30. Kasseler Dokfest. Eingeleitet wird der offizielle Eröffnungsabend im Gloria Kino durch den Kurzfilm "On a Wednesday Night in Tokyo" (2004) von Jan Verbeek. "In Bewegung sein" ist die Maxime des diesjährigen Festivals, das auf eine 30-jährige Geschichte schaut und gleichzeitig den Blick nach vorne wendet. Mit Verbeeks Film, der die Bewohner/innen Tokyos dicht gedrängt in der U-Bahn beobachtet, stellt das Kasseler Dokfest gleichzeitig einen Weggefährten des Festivals vor. Einen Ausblick im Sinne einer Perspektive auf den Filmnachwuchs stellt die hieran anschließende Preisverleihung für die Kurzfilme zu "Nicht ohne mein Händi! Ist mein Verhalten falsch? Oder: Wie nutze ich im Kino mein Mobiltelefon richtig!". Die Gewinner werden mit Geldpreisen im Wert von 500 € bis 2.500 € ausgezeichnet. Einen absoluten Höhepunkt des Abends stellt die Vorführung des Meilensteins aus der Geschichte des Dokumentarfilms dar. Der Stummfilm "Drifters" (1929) von John Grierson wird durch eine experimentelle Neukomposition von Rochus Aust und Markus Aust musikalisch live begleitet. Auch hier werden Vergangenheit und Gegenwart mit einem Blick in die Zukunft verknüpft und das das Festival begleitende Thema der Bewegung visuell und auditiv aufgegriffen.

256 internationale Filme und Videos, 17 Installationen in der Ausstellung Monitoring, die den kinematografischen Raum des Festivals erweitern und eine Vielzahl audiovisueller Performances in der DokfestLounge kommen an den sechs Festivaltagen zur Aufführung und zeichnen ein vielfältiges und differenziertes Bild des aktuellen dokumentarischen Schaffens. Ergänzt wird das Programm durch die Sonderveranstaltungen zum diesjährigen Jubiläum, wie die Ausstellung "Fünfuhrtee in Kiribati" im Interim am KulturBahnhof und den Kurzfilm-Rundgang durch Kassels Innenstadt "A Wall is a Screen" am Samstag, 16. November 2013 um 20 Uhr.

Zudem werden rund 200 im Programm vertretene Filmemacher/innen und Künstler/innen vor Ort sein und ihre Arbeiten dem Publikum persönlich vorstellen.

Auf folgende Veranstaltungen der ersten beiden Festivaltage möchten wir im Besonderen hinweisen:

Mittwoch, 13. November, 14:30 Uhr im Gloria Kino:
"Meine Keine Familie" von Paul-Julien Robert

Die ersten zwölf Jahre seiner Kindheit verbrachte Paul-Julien Robert am Friedrichshof, der größten Kommune Europas. Die Skandale und die Bewunderung für die kurzzeitig gelebte, bald schon im Scheitern begriffene Utopie sind heute großteils vergessen. In und mit den Kindern von damals lebt die Geschichte aber fort: Mitunter sehr schmerzhaft hat sie sich in deren Biografien eingebrannt. So führt auch die Identitätssuche des Filmemachers in die Vergangenheit. Ein sehr persönliches Zeitdokument.

Mittwoch, 13.November, 17:15 Uhr im Gloria Kino:
"Master of the Universe" von Marc Bauder

Der Film von Marc Bauder "Master of the Universe" lässt einen der führenden ehemaligen Investmentbanker Deutschlands zu Wort kommen und ermöglicht dem Zuschauer einen schwindelerregenden Blick in den Abgrund des entfesselten Finanzkapitalismus. "Master of the Universe" stieß bei seiner Premiere in Locarno auf eine riesige Publikumsresonanz und musste in mehreren Vorstellungen wiederholt werden.

Mittwoch, 13. November, 19:00 Uhr im Kasseler Kunstverein
Eröffnung Monitoring

Die diesjährige Konzeption der Ausstellung Monitoring bewegt sich vor dem Kontext "100% Security und andere Utopien". Sie wirft Fragestellungen nach Überwachung und ihren Mechanismen, dem Zugang zu Wissen und diesen übergeordnet nach der Macht von Bildern auf. Die Arbeiten erörtern vor dem Hintergrund einer digitalisierten Welt Zensur, Kontrolle und Verteilung von Wissen, worin sich unsere aktuelle politische Realität spiegelt: in der "überwachten Freiheit". Überwachung oder Freiheit, Retusche oder Widerstand, Unterwerfung oder die Suche nach Alternativen - welche Handlungsmöglichkeiten können abgerufen und welche Zukunftsperspektiven neu diskutiert werden? Das sind die zentralen Themen der Ausstellung, die aufzeigt, das Kunst das Potential hat, Alternativen neu zu denken.

Mittwoch, 13. November, 21:00 Uhr im Interim am KulturBahnhof
Eröffnung "Fünfuhrtee in Kiribati"

Das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest präsentiert anlässlich seines 30. Jubiläums eine Sonderausstellung unter dem Titel "Fünfuhrtee in Kiribati".
Als zeitbasiertes Medium sind dem Film prozessuale Abläufe inhärent, die meist eine lineare Bewegung mit einem klar strukturierten Anfang und Ende beschreiben. Das Zusammenstellen unterschiedlicher Sequenzen ermöglicht eine direkte Einflussnahme auf das gewohnte Zeitempfinden, während die gezeigten Bildwelten den Realitätsraum erweitern. Die Ausstellung greift diese Momente auf und beschäftigt sich mit Theorien der vierten Dimension, in der Raum und Zeit vereint werden. Dabei kommen das Ausloten und Erweitern des Raumes einerseits und die Untersuchung der Zeitlichkeit andererseits zum Tragen. Es entsteht ein Versuchslabor, welches die Grenzen der zeitlichen und räumlichen Wahrnehmung erforscht und die Verbindung von Film, Kunst und Wissenschaft sucht.

Mittwoch, 13. November, 22:15 Uhr im BALi Kino
Kurz & Knapp

Das legendäre Kultprogramm: eine Auswahl kurzer und kürzester internationaler Filme und Videos.

Mittwoch, 13. November, 22:30 Uhr in der Caricatura - Bar + Galerie Eröffnungsparty DokfestLounge
Audiovisuelle Performances und DJ-Sets von "Still und dunkel (Christoph Brünggel und Benny Jaberg)", "Pixelpunx", "Chrs Smthng", "Beardy Earns" und "Broshuda" lassen den Festival-Tag gebührend ausklingen.

Donnerstag, 14. November, 12:45 Uhr im Filmladen
"Emak Bakia baita" von Oskar Alegria

1926 hat der US-amerikanische Avantgarde-Künstler Man Ray in der Nähe von Biarritz ein Cinepoem namens Emak Bakia gedreht, das mit allen cineastischen Regeln bricht. Mehr als 80 Jahre später macht sich der Filmemacher Oskar Alegria auf die Suche nach dem Ursprung für dieses filmische Werk.

Donnerstag, 14. November, 15:15 Uhr im BALi Kino Kurzfilmkompilation
"Artisten und Aktivisten"

Das Leben ist eine Kunst, manchmal mehr Leben, manchmal mehr Kunst. Stets auf der Suche nach neuen Orten und Ausdrucksweisen findet der (Lebens-)Künstler seinen Weg. Jedenfalls meistens, denn Instanzen wie z.B. der Staat sorgen mitunter für Stolpersteine. Dann muss man aktiv werden, auf der Suche und man selbst bleiben. Ein Künstlerleben steckt voller Kreativität und Aktivität. Über Jahre wird erschaffen und am Ende ein Werk hinterlassen. Ein Werk, das gefunden und weiterleben kann, und in der Öffentlichkeit, bei Lernenden oder bei Freunden Eindruck hinterlässt.

Donnerstag, 14. November, 17:00 Uhr im Gloria Kino
"Der große Demokrator" von Rami Hamze

Was passiert, wenn ein Filmemacher vor die Kamera tritt und einen Stadtteil zu politischem Handeln motivieren will? Unter dem Motto "Kalk für alle" stellt Regisseur Rami Hanze im Kölner Stadtteil Kalk den Bürgern 10.000 Euro zu Verfügung unter der Prämisse, dieses Geld sinnvoll zu investieren und in einem demokratischen Diskussionsprozess Lösungen im Sinne des Allgemeinwohls zu finden.

Donnerstag, 14. November, 20:00 Uhr im Fridericianum
DokfestForum
Simon Denny: Artist Talk

Simon Dennys raumgreifende Installationen eignen sich die Geschichte und Gegenwart der Neuen Medien an und dokumentieren sie auf bisher unbekannte Weise im Kunstraum. Seine Arbeit "Chronic Fatigue Syndrome Documentary Restoration", wird zurzeit im Fridericianum präsentiert und setzt sich mit dem öffentlichen Diskurs um das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFSME) auseinander. Das Gespräch führt Susanne Pfeffer.

Donnerstag, 14. November, 22:15 im Gloria Kino
"Mistaken for Strangers" von Tom Berninger

Im Jahre 2010 veröffentlicht die amerikanische Indie-Rockband "The National" ihr fünftes Studioalbum "High Violet". Zur anstehenden Tour, die die bisher größte in der Karriere der Band werden sollte, bittet Sänger Matt Berninger seinen jüngeren Bruder Tom, die Tour als Roadie zu begleiten. Diese Erfahrung fängt Tom mit seiner Kamera ein.

Donnerstag, 14. November, 22:15 im BALi Kino
Werkschau Jan Peters I: Kurzfilme

"In meinen kurzen Filmen erzähle ich meist aus einer radikal subjektiven Perspektive und beziehe mich dabei gleichzeitig auf die Welt, die mich umgibt. Die Themen können brisant sein oder Massenereignisse behandeln oder aktuelle politische Fragen aufwerfen."
Seit 2012 ist Jan Peters Professor für Film und bewegtes Bild an der Kunsthochschule Kassel.

Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest
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