Erzählen in Bildern

Wie filme ich Formen, Farben und Strukturen

Wie lassen sich Strukturen, Rhythmen, Muster, Details, Farbflächen und abstrahierte Bewegungen zu einem Film verbinden?

(Bildquelle: Christian Schnalzger)

Wie lassen sich Strukturen, Rhythmen, Muster, Details, Farbflächen und abstrahierte Bewegungen zu einem Film verbinden? Wie entstehen Spannung und Dramaturgie, eine Erzählung, wenn keine Menschen sie tragen?

Wer mal wieder gute Musik hören möchte, dem empfohlen wir „Koyaanisqatsi“ . Wer dagegen einen guten Film sehen möchte, dem empfohlen wir ebenfalls „Koyaanisqatsi“, diesmal in Gestalt von Godfrey Reggios cineastischem Meisterwerk von 1982 – oder „Powaqqatsi“ von 1988. Gleiches Thema, handwerklich perfektioniert und nette Musik. Reggio ist einer der Wenigen, die in neuerer Zeit noch das Erzählen in Bildern, und nichts als Bildern, explorieren. Als das Kino neu war, taten das alle. Als das Kino von Hollywood übernommen war, galt das Gefundene als gesetz(t), visuelle und narrative Experimente fanden bestenfalls in der Avantgarde statt, in Museen oder gleich im Untergrund, fernab vom Erreichen einer Öffentlichkeit. Aber auch dem Untergrund ging es oft nicht um die Lust an den Bildern, sondern um alternative oder möglichst treffende Bilder, um eine Geschichte zu erzählen, sie treffender zu inszenieren, schöner und stimmungsvoller zu bebildern.
Die Bildsprache hat sich in der Tat über die letzten hundert Jahre subtil verändert, nicht nur der technischen Möglichkeiten geschuldet, wie einer entfesselten Kamera, Zoomobjektiven oder computergerechneten übergängen zwischen Szenen. Auch das visuelle Verständnis hat sich erweitert. Die meisten Filme aber zeigen wie bildgewordene Romane nur Figuren, menschliche oder im Animationsfilm vermenschlichte, und Sprache. Die eigentliche Erzählung findet in Dialogen oder Handlungen dieser Figuren statt, Bilder haben oft nur eine illustrierende Funktion. Sie machen das Betrachten dieser Handlung erlebnisreicher.

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