All you can get

Bessere Bilder trotz Ultraweitwinkel

Filmende Linsen werden immer zahlreicher, preiswerter – und weitwinkliger. Doch wie lässt sich mit dem Blick durch ein Ultraweitwinkelobjektiv eine dramaturgisch anspruchsvolle Geschichte erzählen?

(Bildquelle: Christian Schnalzger)

Filmende Linsen werden immer zahlreicher, preiswerter – und weitwinkliger. Doch wie lässt sich mit dem Blick durch ein Ultraweitwinkelobjektiv eine dramaturgisch anspruchsvolle Geschichte erzählen? Wir entwickeln passende Strategien.

Die Ultraweitwinkelobjektive von Smartphone- und Actionkameras sind das neue All You Can Film im Video und das neue All You Can Get einer alles filmenden Epoche: statt erlauchter Auswahl wird das Bild bis zum Überquellen vollgestopft. Dass das nicht immer appetitlich ist, weil einige Detailmotive ins Bild kommen, die überhaupt nicht zur Geschichte oder zum Hauptmotiv passen, nehmen wir hin. Hauptsache viel und alles auf einmal. Wir füllen unsere Bilder mit nichtssagenden Randdetails, überfüllen unsere Videos mit Rundumsichten. Wir sind von Generationen von DV-Camcordern mit nichtexistentem Weitwinkel ausgehungert nach mehr: mehr Bildwinkel, Rundumsicht, Fisheye, Ultraweitwinkel. Doch dem differenzierten Betrachter wird es ergehen wie einer All-you-can-eat-übersättigten Gesellschaft: irgendwann setzt die Fettleibigkeit ein, kommt uns der Brechreiz angesichts solch sinnlosen Vollstopfens. Entschlackung tut Not, umsichtiges Füllen des Bilds und Verzicht auf zu viel Weitwinkel. Willkommen zum Slow-Food-Manifest für Filmer.