Im Industriehafen

Orte in Bilder zerlegen

Die Franzosen nennen es Découpage: Kommen, Sehen, Einstellungen festlegen.

Im Industriehafen (Bildquelle: videofilmen)

Die Franzosen nennen es Découpage: Kommen, Sehen, Einstellungen festlegen. Was wir davon lernen können: ein Sujet, fürs Urlaubsvideo oder ein Spielfilmprojekt, nicht in einer endlosen Totale zeigen, die wenig visuelle Spannung bietet und die Kamera teilnahmslos macht. Sondern auf die Suche nach alternativen Sichten und Geschichten gehen, das Sujet in visuell starke und erzählerisch ansprechende Details zerlegen.

1 Mit dem beschränkten Bildwinkel einer mittleren Brennweite, hier 9o mm, beginnt die Einstellung mit einem Schwenk. Von rechts nach links erzeugt der Schwenk mehr Unruhe als in Leserichtung von links nach rechts. Für dieses wenig idyllische Motiv ist das ideal, erzeugt Spannung und einen Hauch des Gefühls, gleich könnten die bösen Jungs um die Ecke treten. Vor jedem Schwenk legen wir natürlich Ausgangs- und Endkomposition genau fest – nach visuellen Maßstäben, vor allem aber nach dramaturgischen.

2 Jetzt machen wir etwas Gewagtes: Schnitt in die Totale, mit der man den gesamten Ort nun in einem Blick erfasst. Unnötig, wo der Schwenk ihn schon eröffnet hat? Nicht unbedingt. Jene Details, die das Auge während des Schwenks erfasst hat, fügen sich jetzt zum Ganzen, verorten sich gegeneinander und in der weiteren Umgebung. Das steht nicht jedem Motiv, sowohl was die einzelnen Bildinhalte als auch die Erzählung hinter der Montage der Einstellungen anlangt. Hier aber trägt es zu einem schrägen, fast bedrohlichen Look bei.