Durchblicke als Einblicke

Interpretieren und Stellung nehmen

Interpretieren und Stellung nehmen

EINRAHMUNGEN – Überhängende Äste oder ganze Bäume an den Bildrändern sind Einrahmungen, die lediglich als Silhouetten die Bildränder ausfüllen. (Bildquelle: Wilfried Strauß)

Der Blick des Voyeurs in das hell erleuchtete Fenster des Hauses, die Rehe in der Ferne auf der Waldlichtung, gesehen mit den Augen des Fernglases, die Neugierde der Kinder beim Blick durch das Schlüsselloch der Tür auf die Festtagsvorbereitungen im Wohnzimmer – all das sind kreative Beispiele für Filmszenen, die neugierig machen.

Der Zuschauer wartet auf das, was in den Räumen und Orten hinter dem Durchblick geschieht. Mit diesen gestalterischen Elementen kann der Filmemacher spielen und die Geschichten passend in der Filmhandlung erzählen. Während früher zu analogen Filmzeiten die vor das Objektiv gesetzten Kompendien und Masken derartige Aufnahmen erst möglich machten, können heute die kreativen Elemente im Rahmen der Videoschnittbearbeitung nachgefügt werden. Aber auch bei den realen Filmaufnahmen finden wir in der Natur, in den Städten und Orten, in Räumen, Durchgängen und Parks viele eingerahmte Motive, die Durchblicke und Einblicke in unbekannte Räume drinnen wie draußen ermöglichen.

Rätselhafter Aus- und Einblick
Das Bild macht neugierig. Einem Passepartout gleich blickt die Kamera aus dem Dunkel hinaus und hinüber auf das Motiv im hellen Sonnenschein mit dem kleinen Balkon, der Balkontür und den vielen Verzierungen. Mit diesem Durchblick wird die Aufmerksamkeit beim Zuschauer geweckt. Was ereignet sich gerade jetzt hinter dem Fenster? Die nächsten Einstellungen können die Auflösung bringen oder aber den Zuschauer mit seinen Fragen allein lassen, je nach geplantem Filminhalt. In dieser Einstellung muss sich die Belichtung natürlich nach dem Hauptmotiv richten, damit es richtig belichtet aufgenommen wird, während das Umfeld im tiefen Schwarz versinkt.