07.03.2017 | Ausgabe 03/2017

Objektivierung

Gegenständliches cineastisch porträtieren

(Bildquelle: Christian Schnalzger)

Wie filmt man ein Video, das ein Objekt vorstellt? Ein selbstgemachtes, neues, unbekanntes; und was man damit machen kann. Nicht nur auf Onlineshops, Handarbeits-Webseiten oder Crowdfunding-Kampagnen sagt ein Video mehr als tausend Fotos.

Wer Auto- oder Kaffeewerbung betrachtet, wird kaum mit Autos oder Kaffee konfrontiert. Er sieht vielmehr glückliche Menschen, weite Landschaften, ein Gefühl von Freiheit und Morgensonne. Obwohl Video nur Seh- und Hörsinn ansprechen kann, soll durch suggestive Bilder der Geschmackssinn stimuliert werden, indem ästhetisiert dampfender Kaffee in einer sorgfältig beleuchteten Designküche steht und von aufwändig geschminkten Hausfrauen wertgeschätzt wird. Dabei sehen wir doch im echten Leben vor dem ersten Kaffee aus wie die Kreaturen unserer vorausgehenden Alpträume. Doch die Werbung schafft uns zwanzig Sekunden Sehnsucht – mit dem Claim, diese Sehnsucht zu erfüllen, wenn wir rausgehen und das beworbene Produkt kaufen. Dito mit Autos, die uns nicht etwa den Stau in unseren Alltag etwas erträglicher machen, sondern uns in die ultimative Freiheit führen. Solche Clips, die mehr Manipulation als Inhalt sind, streben wir hier nicht an. Die psychologische Wirkung von Bildern zu erforschen ist toll; ein Objektvideo ist aber kein Werbefernsehen.

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