28.04.2016 | Ausgabe 04/2016

Teilen intim

Wie filme ich ein Videotagebuch

(Bildquelle: Christian Schnalzger)

Ein Tagebuch muss nicht zwingend auf Papier gebracht werden. Wir zeigen, wie Ihnen eine Umsetzung auf Video gelingt und Sie den Prozess dabei so gestalten, dass Sie jeden Tag aufs Neue Lust darauf haben, bildstark, tief, filmisch und interessant nach innen zu schauen.

Videotagebüchern klebt etwas Neunzigerhaftes an. Mit neuen, kompakten, pfundschweren Camcordern, die man jederzeit dabei haben konnte, konnte jeder immer alles filmen – doch keiner wollte das Ergebnis jemals wieder sehen. Dies und die diversen Big-Brother-Kampagnen der Politik, welche heute ohnehin jedem das Gefühl geben, ständig gefilmt, überwacht, beschattet und auf Vorrat verdächtigt und gespeichert zu werden, haben die Lust offenbar geschmälert, selbst zu derlei Vorratsbeschaffung beizutragen. Wir filmen wieder wie 198o nur was uns wichtig erscheint, nicht was wir täglich erleben.

Das ist schade, weil es uns den Genuss nimmt, das, was wir heute für alltäglich halten, in zehn Jahren, wenn es als Erinnerung im Kopf längst verblasst ist, auf Video wiederzuentdecken. Umso mehr, wenn Menschen und Orte seit damals gleich geblieben sind, wir nicht nur Verflossenem nachhängen. Wirklich gleich bleibt schließlich nichts und die subtilen Unterschiede, die der Kopf ausblendet, machen auf Video Magie. Doch darüber habe ich unter dem Mantel einer Ästhetik des Alltags in videofilmen 2/15 bereits reflektiert.Heute geht’s um etwas anderes.


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