28.04.2016 | Ausgabe 04/2016

Editorial

Oliver Krüth, Chefredakteur videofilmen

Oliver Krüth, Chefredakteur videofilmen

Vor einigen Jahren berichtete die Süddeutsche Zeitung über eine Internet-Plattform, die den absonderlichen Weg von Europa in die USA gefunden hatte. Nicht umkehrt, wie sonst. Kein Geringerer als Barak Obama hatte sich die Direkt-zu-Plattform für den Wahlkampf zu seiner zweiten Amtszeit zunutze gemacht. In Deutschland dürfte sie mit www.direktzurkanzlerin.de ihren prominentesten Ableger haben. Bei der Direkt-zu-Plattform handelt es sich um ein „Promi-Tool“, mit dem ihnen der Kontakt zu ihren Fans erleichtert werden soll. Der Hintergedanke ist folgender: Ein Prominenter hat Fans. Diese haben Fragen und Wünsche an ihr Idol. Wie kann man nun diese Unmenge an Anfragen so strukturieren, um den Arbeitsaufwand für den Promi möglichst gering zu halten? Schließlich kann kein Mensch 3000 E-Mails pro Tag neben seiner eigentlichen Arbeit beantworten.

Die Direkt-zu-Plattform hat eine ziemlich clevere Lösung gefunden. Wer ein Anliegen an Frau Dr. Merkel hat, muss es zunächst einem Themengebiet zuordnen. Sobald das Anliegen verfasst wurde, stimmen andere Nutzer der Plattform darüber ab, ob die Anfrage so relevant ist, dass sie zur Beantwortung an die Kanzlerin weitergeleitet werden soll. Einmal wöchentlich beantwortet sie eine Frage, je nach abgegebener Stimmenzahl. Alle Antworten werden auf einer eigenen Seite gesammelt, einschließlich der Kommentare. So bleibt der Arbeitsaufwand der Kanzlerin überschaubar, sie kann ihre Politik jenseits von Pressemeldungen verargumentiern und die Sympathisanten bekommen nach dem demokratisch eingeübten Mehrheitsprinzip Antworten auf ihre (relevanten) Fragen.


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