03.03.2016 | Ausgabe 03/2016

In den Raum gestellt

Wie könnten Multiscreen-Installationen aussehen?

Sprechen Sie in Bildern (Bildquelle: Christian Schnalzger)

Installationen mit mehreren parallel ablaufenden Videos tun erzählerische Möglichkeiten ungekannter Dimensionen auf. Sie erschaffen einen Parcours, der jedem Zuschauer individuell erlaubt, seine eigene Geschichte in den Videos zu finden, seinen eigenen Film zu sehen – sofern sie gut gemacht sind.

Schlechte Videoinstallationen kennen wir zur Genüge: im Raum einer Ausstellung stehen verlassen in einer Ecke ein paar Monitore und speien Bilder. Weder ist visuell interessant, was sie zeigen, noch lädt das Ambiente der Ausstellung dazu ein, über längere Zeit zuzusehen, ob vielleicht inhaltlich interessant sei, was sie zeigen.
Eine gute Videoinstallation nutzt Video nicht mehr nur als Informationsmedium. Doch es geht auch nicht um Kunstfilme im Stil bewegter Gemälde, an denen man vorbeigeht und sie zur Kenntnis nimmt. Es geht um den Film im Kopf stattdessen, der entsteht, wenn man sich als Zuschauer darauf einlässt, von drei, fünf, zehn, zwanzig Videoquellen bespielt zu werden, Eindrücke zu bekommen, hinsehend oder aus dem Augenwinkel, vorübergehend oder stundenlang dasitzend. Es geht um die Macht der Bilder, die unarrangiert, uninszeniert und im dramaturgischen Sinn roh auf einen einwirken. Damit das gelingt, braucht es eine umsichtige, auf die Videos hin ausgerichtete Nutzung des Raums, in dem diese Videos zusammenwirken können – und es braucht eine umsichtige Vorauswahl dieser Videos, auf dass sie mehr als ein visuelles Chaos erzeugen können.


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