11.01.2016 | Ausgabe 02/2016

Zurück zur Essenz

Wie filme ich einen Stummfilm

(Bildquelle: Christian Schnalzger)

(Bildquelle: Christian Schnalzger)

Ein Stummfilm-Projekt bietet einerseits den Rahmen für eine Reminiszenz an die Anfänge des Films, digitale Filmlook-Effekte und pompöse Kostüme. Andererseits offeriert es auch Möglichkeiten für die Dekonstruktion unseres Verständnisses, was Film eigentlich ist.

Es braucht bloß zwei Lichtstrahler, Schminke und verquere Kleider, um einen bildstarken Stummfilm zu machen. Das heißt, wenn Sie eine Replik dessen anstreben, was vor hundert Jahren das Kino war, wo technische Mittel beschränkt waren, die Filmtechnik unausgereift und, wie in jeder Epoche der Zeitgeschichte, Leute verquer gekleidet. Wer aber hinter diese offensichtliche Fassade guckt, der erkennt die Finesse, wie damals, aus der Notwendigkeit heraus ohne Sprache erzählt wurde. Als Filmemacher ohne Sprache, Text und Ton zu denken, wird den Blick fürs Filmen auch für konventionellere Projekte bereichern!

Wie erzählt man mit einfachsten Mitteln?
Mangels technischer Möglichkeiten – visuelle Spezialeffekte, computergenerierte Landschaften, Soundeffekte oder nur subtile Kontrastbeeinflussung des Filmmaterials – lag der Fokus auf dem Wesentlichen: Kameraarbeit und Schauspiel. Fast immer wurde unbewegt vom Stativ gefilmt, es gab weder Steadicams noch Fluidköpfe noch tragbare Kameras, und natürlich auch keine Zoomobjektive. Zudem war Film lange Zeit eine arme Kunst, sodass die Staffagen oft einfach wie am mittellosen Theater waren.


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