01.06.2012 | Ausgabe 06/2012

Tempo, Bitte!

Dramaturgie: Erzählzeit

FÄSSER EXPLODIEREN, Autos jagen durch enge Gassen, springen über Tief­lader, Schusswechsel, hektische Gesich­ter. Man müsste schon ein besonders talentfreier Schnittmeister sein, aus derlei Material keinen actionreichen Film zu schneiden. Und nun dies: Ka­mele auf einer Hochebene, Hirten in folkloristischen Zelten, die eine fremde Sprache sprechen und deren Gesichter milde sind wie die Frühjahrswolken am Himmel. Man muss schon ein beg­nadeter Schnittmeister sein, hieraus eine spannungsvolle Erzählung über eineinhalb Stunden zu schaffen. „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ hat es geschafft, jedenfalls für mich. Es ist bezeichnend, dass sich das Lager meiner Freunde etwa hälftig teilt in jene, die diese Einschätzung teilen, und jene, die es nicht tun: Wer einem an Geschwindigkeit gewohnten, von Hollywood sehtrainierten Publikum Ungewöhnliches bietet, kann scheitern. Wer den Sehgewohnheiten indes bloß plump entspricht, ist schon geschei­tert – künstlerisch jedenfalls...


Newsletter
Ja, ich möchte den Newsletter von videofilmen abonnieren