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Canon plant neuen HD-Profi-Camcorder
Etwas ungewöhnlich und vieldeutig ist die Ankündigung von Canon, einen neuen MPEG-2-Full-HD (4:2:2)-Codec für die Aufzeichnung von qualitativ hochwertigem HD-Material in einen „noch in der Entwicklung befindlichen Proficamcorder“ (so Canon) zum implementieren. Es wird also keine neue Kamera angekündigt, sondern zunächst der dazugehörige Codec. Spekulationen über die Nachfolger der bisherigen HDV-Camcorder der XH A1/G1-Serie gab es schon zuhauf. Diese werden nun durch die Ankündigung von Canon erneut genährt. Unklar ist, auf welchem Datenträger der neue Codec aufgezeichnet wird. Dass Canon in seinem Statement wiederholt auf das HDV-System eingeht, legt die Vermutung nahe, dass das neue System ebenfalls auf Magnetband aufnimmt. Auch wenn das komplett gegen den derzeitigen Trend hin zum Flashspeicher ist. In der Meldung heißt es: „Für die Aufzeichnung eines derzeit in der Entwicklung befindlichen Profi-Camcorders wurde der neue Canon-MPEG-2-Codec gewählt, der eine besonders große Kompatibilität zum Industriestandard darstellt.“ Mit Industriestandard dürfte nach Canon-Lesart HDV gemeint sein.
Dessen ungeachtet soll der Canon-MPEG-2-Codec eine hochwertige Bild- und Tonaufzeichnung mit einer Datenrate von bis zu 50 Mbps und einer gegenüber HDV verdoppelten Farbdatenmenge ermöglichen: das bedeutet MPEG-2 Full-HD-Kompression mit 1920 x 1080 Pixel (statt 1440 bei HDV) und 4:2:2 Abtastverhältnis (statt 4:2:0). Der Codec sorgt für die Aufzeichnung einer ungefähr zweifachen Datenmenge im Vergleich zu HDV und für eine erhöhte Farbinformationen. Das Resultat ist eine noch höhere Auflösung und eine exzellente Videoqualität.
In der professionellen Einstiegklasse arbeitet z.B. die Sony EX1/EX3-Serie intern mit einem 4:2:2-Signal, das auch über SDI ausgegeben wird, speichert jedoch nur ein 4:2:0-Signal ab; die Datenrate beträgt max. 35 Mbps. Eine entsprechende Farbabtastung bei gleicher Datenrate wie Canon bietet erst die Profikamera Sony PDW-700, eine XD-CAM. Auf 4:2:2-Abtastung und einer noch höheren Datenrate basiert auch Panasonics DVCPRO HD-Format.
Der neue Canon-Codec ruft auch die Frage nach der Kompatibilität mit Schnittsoftware hervor. Die dürfte bei derzeitigen Versionen nicht gegeben sein. Darum kooperiert Canon nach eigenen Angaben mit den Unternehmen Adobe, Avid, und Grass Valley (Edius), um eine größtmögliche Kompatibilität mit den gängigen Softwarelösungen zu gewährleisten.

